Posts Tagged ‘Advent’

Das Ende der Adventszeit

Wednesday, December 23rd, 2009

Ich war heute draussen. In der Stadt. Zweimal. Ich habe immer noch eine Gänsehaut.

Am Morgen früh zum Bahnhof. Bereits vor neun (!) waren die Gassen voller Leute. Das waren nicht nur Leute, die zur Arbeit gingen. Da waren schon welche dabei, die mit leeren Taschen beladen zu zweit oder zu dritt über ihren schlachtplanartigen Einkaufslisten brüteten.

Dann musste ich am späten Mittag noch ein paar Besorgungen machen. Keine Weihnachtseinkäufe, ich mache keine Geschenke. Wir hatten einfach keinen Käse mehr im Kühlschrank. Und ohne Käse im Kühlschrank bringen mir die Ferien nichts. Wie soll ich mich erholen, ohne Käse?
Ausserdem haben meine (Snowboard-)Handschuhe letztens gegen eine (Skischuh-)Schnalle verloren und ich will morgen in die Berge. Also habe ich die Ellenbogen angespitzt und mich wie Spiderman vor den Zug geworfen.

Wobei Zug noch untertrieben ist. Die Herdentiere benehmen sich wie Menschen, die vor dem Feuer davonrennen. Oder vor einem Rudel Wölfe. Oder Tiger. Oder Wölfe, die seit 1895 nichts mehr gegessen haben. Alle sind sie schlecht gelaunt, tun gestresst, sind unfreundlich, drängeln und schubsen und kaufen zügellos Weihnachtsgeschenke. Krank. Muss Mal bei Pharmamama nachfragen, ob sie dagegen was in ihrem Schränkchen hat.

Mir tun vorallem auch die VerkäuferInnenheerscharen leid, die im Advent Überstunden und Sonntagsverkaufschichten leisten müssen. Nur damit der Pöbel seine Verwandschaft mit hässlichen Pullovern und der allweihnachtlichen Portion Staubfänger bescheren kann. Last Minute versteht sich. Warum erhöhen die Kaufläden eigentlich nicht die Preise, je näher das Weihnachtsfest kommt?

Die Adventszeit ist ein Fluch, der morgen endet. Für ein Jahr.
Fortsetzung folgt. In einem Jahr.

Nikolaus und die Bösen Kinder

Saturday, December 6th, 2008

Jedes Jahr am Abend des 6. Dezember besucht ein Hausierer jede kindergesegnete Familie. Mit schweren Stiefeln, einem roten Bademantel und ungepflegter Gesichtsbehaarung geht er um, lockt Kinder mit Nüssen, Früchten und Süssigkeiten und steckt einige der Kinder in einen Sack. Kindesentführung in einer gesellschaftlich tolerierten Form. Denn: Der furchteinflössende Entführer mit dem dicken Bauch hat jeden Ungehorsam und jede Bösartigkeit der Kinder in einem dicken Buch registriert. Er nimmt nur die bösen Kinder mit sich. Somit ein Wohltäter für die gebeutelten Eltern.

Allerdings tauchen die bösen Kinder wieder auf. Meist an der Spitze politischer Parteien, weltmächtiger Industrienationen oder monopolsüchtiger Wirtschaftsgiganten. Diesem Umstand ist Lupara auf den Grund gegangen und hat eine weltweite Verschwörung aufgedeckt.

(Gerüchte besagen, dass die Untersuchungen mit ein Grund für die einmonatige Stille um Lupara waren: Der Umfang der Untersuchung bündelte alle Kräfte und die aufgedeckte Geheimorganisation ist so gefährlich, dass Lupara untertauchen musste.)

Jener Bärtige, der sich selber Samichlaus oder St. Nikolaus nennt, ist, man glaubt es kaum, ein Top-Terrorist. Die eingesackten bösen Kinder werden am Nordpol in einem Trainingscamp ausgebildet. Dieses Camp ist hervorragend getarnt: Durch Radar und Spürhunde nicht zu orten und für Satelliten fast unauffindbar. (Die bisher einzigen Satellitenbilder sind spurlos verschwunden. Der Satellit gehörte der amerikanischen Regierung.) Zwar gelang es einigen verdeckt ermittelnden Geheimagenten bis ins Camp vorzudringen, Ihnen wurde jedoch in überzeugenster Weise eine Spielzeugmanufaktur vorgegaukelt. Die Berichte schildern unisono von kleinen zipfelmützigen Handwerkern, die pädagogisch wertvolle Holzspielzeuge herstellen. (Hier hätten die Geheimdienste doch stutzig werden müssen: Welches Kind spielt heute noch mit Holzspielzeugen?)

In Wahrheit ist das nur Fassade. Die Bösen Kinder werden ausgebildet in Wahlmanipulation, Ausbeutung von Umwelt und Menschheit, Wirtschaftsbetrug und Verbreitung von populistischem und Gedankengut. Man spricht von schleichendem oder scheinlegalem Terrorismus.

Es wird davon ausgegangen, dass der Terroristenführer Nikolaus, was wohl nur ein Deckname ist, verwandt ist mit jenem Terroristen, der sein jenem Tag im September 2001 in aller Munde ist. Die Ähnlichkeit ist unübersehbar, abgesehen von der Farbe des Bartes.
Der Vorteil der Organisation Böse Kinder liegt darin, dass die betriebene Form des Terrorismus bestehendes Recht und Strukturen ausnutzt und so Ihre Attentäter in immer machtvollere Positionen hievt. Die Attentate verlaufen indes genauso: Steuererhöhungen, Sozialabbau, Deregulierung der Wirtschaft.

Ausserdem sind Nikolaus und die Bösen Kinder im Stande sich anzupassen, so hat das Oberhaupt der Terrorganisation seinen ursprünglich weissen Bademantel einst gegen einen roten eingetauscht, weil rot der Farbe eines beherrschten Getränkegiganten entspricht, welcher im Auftrag der Bösen Kinder die Zuckerabhängigkeit und Fettleibigkeit der Menschheit fördert.

Der Welt bleibt nur auf die Erlösung durch die Guten Kinder zu warten. Der Tag wird kommen, an dem eines von Ihnen aufsteht, über Nüsse und Mandarinen hinwegsieht und dem Nikolaus an den Bart geht. Advent, Advent, der Nikolaus brennt.

Zum Sport: Heute Abend ein schwieriges und entscheidendes Spiel. Noch immer kein Schnee.

Advent, Advent

Monday, December 1st, 2008

Sie ist wieder da. Die Weihnachtszeit. Oder die Adventszeit. Eine Zeit, die Luparas Zyniker wieder aufleben lässt.

Mal ehrlich: Die Zeit bis Weihnachten ist so ziemlich die besch***enste Zeit des Jahres. (Die Ausdrucksweise ist zu entschuldigen, aber deren Wahrheitsgehalt und Trefflichkeit anzuerkennen.) Apèro- und Essensmarathons wechseln sich gegenseitig ab. Die Geschenkewut greift wieder um sich. Ganz zu schweigen von Weihnachtsfestplanungen: Die Durchschnitts-Patchwork-Familie müsste den ganzen Monat jeden Abend feiern, um allen Einladungen von Grosseltern, Eltern, Onkeln und Tanten, angeheirateten ebenso wie weggeschiedenen, nachzukommen.
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Schande über unser Geschlecht!) in Strickpullovern gehen Tag für Tag mit Nüssen und Schokolade hausierend von Büro zu Büro und verbreiten überglücklich und aufgesetzt grinsend Weihnachtsstimmung. Die künstliche Fröhlichkeit dieser, in höchsten Tönen und Lautstärken “Fröhliche Weihnachten” posaunenden, a****gesichtigen Ich-verbreite-Besinnlichkeit-im-Büro-Zombies möchte man belohnen, indem man ihnen beidfüssig ins Gesicht springt. Advent, Advent, die fröhliche Mitarbeiterin brennt.
Nicht zu vergessen, dass das “normale” Leben ja auch im Dezember stattfindet. Beziehung, Arbeit, Sport, Freunde, Kunst und vorallem Schlaf beanspruchen nach wie vor ihr angestammtes Zeitfenster. Da hilft auch nicht, dass die Konsumwirtschaft die Adventszeit Jahr für Jahr vorverlegt. Nächstes Jahr verkaufen die Grossverteiler Erdnüsse und Mandarinen bereits ab Mitte Mai.
Kommt hinzu, und das ist einer der schlimmsten Punkte, dass noch nicht einmal Schnee liegt.

Ich freue mich jedenfalls schon jetzt auf den 27. Dezember. Und zu Weihnachten wünsche ich mir, dass endlich jemand auf die Idee kommt das Januarloch auf Mitte Dezember vorzuverlegen. Denn spätestens nach 14 Tagen Weihnachtstimmung wünsche ich mir nichts sehnlicher, als mich an einem bedrückenden und stimmungslosen Winterblues erfreuen können.