Einen Menschen zu töten ist die Urform allen Verbrechens. Kain erschlug Abel (oder umgekehrt?) und beging damit „das erste Verbrechen“. (Ja, ja, der Apfel im Paradies wurde schon zuvor gestohlen und blabla. Einen Apfel stehlen? Wie lächerlich ist das denn?) Wobei, wenn wir schon bei der Bibel sind: War es nicht erst einige Abrahams und tausende Jahre später, als die Gedenktafeln Mose „Du sollst nicht töten.“ zum trendigen Lebensmotto machten? Somit war der Brudermord Kains noch gar kein Verbrechen, sondern Zeitvertreib?
Auch egal. Einen Menschen töten ist schlimm. (Die Betonung liegt auf Menschen: Vegetarier und Tierschützer Schnauze halten. Wenn der Kuchen spricht, haben die Krümel Pause.) Jemanden zu töten ist ausserdem strafbar, egal ob Absicht, im Affekt oder aus Versehen (einfach so nebenbei im Vorbeigehen). Aus Absicht jemanden zu töten ist Mord. Schon die Absicht alleine, der Plan, jemanden zu töten ist strafbar. Wenn man also erwischt wird, bevor man es getan hat, kommt man auch in den Knast.
Lange um den heissen Brei zu schreiben sollte auch bestraft werden, drum zum Punkt: Ich versuche einen Krimi zu schreiben und da darf ein Mord natürlich nicht fehlen. Und dieser Mord will gut geplant sein, schliesslich dreht sich ein ganzes Buch um diesen Mord und dessen Aufklärung. Da hänge ich zurzeit auch fest. Ich will damit sagen, dass ich seit zwei Wochen damit beschäftigt bin einen Mord zu begehen. Ich wandere auf des Messers Schneide am Rande der Legalität.
Aber ich backe ja nur kleine Fische. Bin selber ein kleiner Fisch. Was ist aber mit all den Krimiautoren, die einen Bestseller-Krimi nach dem anderen geschrieben haben? Ausserdem ruht bestimmt noch manch unveröffentlichter Mord in deren Nachttischschublade. Wir sprechen hier von tausenden von meisterhaften Mördern, die eine Unzahl von Menschen öffentlich umgebracht haben. Klar, dass sind nur fiktive Menschen, die (meist?) auch von fiktiven Menschen getötet wurden. Dennoch haben Krimiautoren wohl die meiste Übung von allen, wenn es darum geht zu morden und diesen zu verschleiern. (Hoffentlich sinkt mit der zusätzlichen Übung die Hemmung nicht…) Krimiautoren sind sowas wie der Mörder-Schlumpf.
Als Autor hat man mehr Macht als ein Jedi: Jede einzelne Figur kann beliebig geboren, getötet, wiederbelebt und wieder umgebracht werden. Gottspielen mit den Fingerkuppen.
Ich spüre zwar die Macht, aber „mein“ Mord ist noch immer unvollendet.