Posts Tagged ‘So Gedanken halt’

Die Angst vor der weissen Seite

Saturday, January 9th, 2010

Wir Schreiberlinge, egal wie oft, wie gut oder erfolgreich wir schreiben, kennen sie alle. Davon gehe ich aus. Die ratlose Panik, die einem befällt, wenn man vor dem leeren Dokument sitzt, digital oder aus Zellulose.

Im Computer zuhause, in der anderen Jacke, in der Agenda oder im Notizbuch hätte man doch noch so viele Ideen skizziert. Manchmal befällt mich das Gefühl sogar, wenn ich mein Notizbuch hervor nehme, um ein paar Gedanken zu sammeln und im Notizbuch für später fest zu halten. Gerade eben hatte ich doch noch eine gute Idee. Auf der Rückseite des Prospekts hatte ich gestern zwei bahnbrechende Zeilen notiert.

Aber hier sitze ich nun und schreibe statt an einer Revolution an einer angefangenen Seite über Angst. Wenigstens ist die Seite nicht mehr leer. Wie gehen die professionellen Schriftsteller wohl mit dieser Angst, dieser Ratlosigkeit um? Wie sie’s im Fernsehen tun, weiss ich von Hank Moody. Seine Lösung ist sicher attraktiv, ob sie hilft, müsste ich erst ausprobieren. Aber Hank hat eigentlich auch nicht Angst vor der weissen Seite, sondern eine Schreibblockade. Ich denke, das spielt in einer anderen Liga. Die Angst vor der weissen Seite ist gewissermassen die Angst, die weisse Seite nicht überwinden zu können und dann in eine Schreibblockade zu geraten.

Das führt zum Gedanken, ob die Angst vor der weissen Seite nicht zum Schriftstellen gehört. Macht diese Angst den Schriftsteller erst zum Schriftsteller? Gehört sie zum idealen Schriftsteller? Hätte der Schriftsteller-Schlumpf Angst vor der weissen Seite?

Der Verlust eines Freundes

Monday, October 20th, 2008

Manchmal bin ich zu faul zum rasieren. Einige sagen ja, bei mir würde es reichen, eine Tür heftig zu zuknallen. Hab ich ohne Erfolg probiert. Irgendwann erreichen auch meine Stoppeln eine Länge von zehn oder zwölf Millimetern. (Obwohl bei zehn bis zwölf Millimetern spricht man wohl kaum noch von Stoppeln. Bis zu welcher Länge sind es Stoppeln?)

Genetisch bedingt ist mein Kinn leicht kantig gewachsen. So eine Mischung zwischen einer Schuhschachtel und Mickey Rourke. An der linken (aus meiner Sicht) Ecke meines Kinns wächst seit jeher ein besonderes Barthaar. Es ist dunkler und borstiger als seine Nachbarn. Wenn ich mit meinem Finger durch den Bart (wenn man das so nennen kann) fahre spüre ich es ganz deutlich. Es leistet mehr Widerstand als die anderen. Mein Che-Guevara-Barthaar. (Che Guevara ist zwar nicht direkt ein Widerstandskämpfer, aber darüber schauen wir jetzt für einmal hinweg.) Spätestens alle vierzehn Tage wurde der Widerstand jedoch durch die Rasierklinge gebrochen. Aber davon lässt sich Che Guevara nicht beeindrucken. Er wächst wieder nach.

Bis jetzt. Meine Gesichtstundra erobert wieder einmal kultivierte Gebiete zurück. Ich fahre mir also Gedanken verloren durch den Bart, als ich bemerke, dass etwas fehlt. Zuerst kann ich nicht genau bestimmen was es ist, aber dann wird mir klar, was fehlt. Che wächst nicht mehr an seiner üblichen Stelle. Er wächst scheinbar überhaupt nicht mehr. Che ist gegangen. Für mich am schlimmsten ist aber nicht, dass er sich nicht verabschiedet hat, sondern, dass ich nicht bemerkt habe dass er weg ist. Ich kann nicht sagen, seit wann Che nicht mehr Widerstand leistet. Ich habe seinen Abgang verpasst. Ich meine, ich habe natürlich viele Abgänge von ihm miterlebt. Aber den letzten, den wichtigsten habe ich verpasst.

Rambo-Schlumpf und Dosenravioli

Thursday, August 28th, 2008

Gestern Mittag beim Pizza-Imbiss liefen die Schlümpfe im Fernsehen. Hassan, Musti und Kisismet, meine türkischstämmigen Pizza-Bäcker haben mich ausgelacht deswegen (Nein, in diesem Imbiss gibts nur Pizza und Pasta, kein Döner). Zum ersten Mal seit ich dort esse, haben sie mir die Fernbedienung ausgehändigt. Aber ich war schon in die Handlung vertieft und schaute trotz Spot und Hohn weiter.

Als ich klein war, hab ich zwar nicht oft Schlümpfe geguckt, aber mir war so, als gäbe es etwa 10 verschiedene Schlümpfe: Papa Schlumpf, Schlaubi, den Schlaf-Schlumpf, Schlumpfine, den Koch-Schlumpf, den Herkules-Schlumpf, den Alchimisten-Schlumpf und den Narzisten-Schlumpf mit der Blume am Hut. Nun habe ich gemerkt, dass es auch noch einen Opa Schlumpf und eine Oma Schlumpf gibt und ausserdem einige Schlumpf-Kinder. Und den Tarzan-Schlumpf und noch etwa ein halbes Dutzend weitere Schlümpfe, die ich nicht kannte. Einen Spezial-Schlumpf für jeden denkbaren Beruf bzw Charakterzug. Bestimmt gibts auch einen Rambo- oder Terminator-Schlumpf. Oder den Porno-Schlumpf.

Ist ja auch in der echten Welt so: für alles gibt es heute Hilfsmittel: angefangen beim Kartoffelschäler über Akkuschrauber *TimTaylorruftHarrHarrHarr*, Navigationsgerät, Pulsmesser, Erinnerungsfunktion, kühlender Auto-Getränkehalter und Kleider-Faltbrett aus der TV-Werbung (ist im Fall voll nützlich und praktisch): für jede Alltagsnische gibts ein Gerät oder eine Handy-Funktion. Einige sind super (siehe Faltbrett), einige nerven total (Blinklicht im Kühlschrank, wenn die Tür zu lange offen bleibt) und andere sind völlig überflüssig und dienen höchstens der Verblödung der Menschenheit (Nagelschere mit Sicherheitsabstandhalter).

Dabei geht die Fähigkeit für Lösungsfindung und vernetztes Denken verloren und wir enden wie die Neandertaler. Hab gestern gelesen, die waren nicht blöd, nur zu tolpatschig um ihre Werkzeuge richtig anzuwenden. Bald weiss kein Mensch mehr wie man eine Dose Ravioli ohne vollautomatischen Dosenöffner (der die Dose natürlich gleich entettikettiert, zerlegt und flachdrückt) öffnet und wir werden alle elendiglich verhungern. Der Homo SMS geht vor die Hilfsmittel.

Apropos Nagelschere: Mir ist aufgefallen, dass Maniküre wieder Mal dran wäre. Hab mir gerade eine Erinnerung ins Handy gepflanzt: Heute Abend Nägelschneiden. Hmm… ich könnte eigentlich auch den Nagelscheren-Schlumpf bestellen. Oder den Ninja-Schlumpf. Oder den Jedi-Ritter-Schlumpf. Nägelschneiden mit dem Laserschwert!!